Erfolg ohne Wachstum?
Publiziert: 8.03.2012 | 1 Kommentar
Dr. Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung
Der bisher gängige Massstab für den Erfolg von Gesellschafts- und Geschäftsmodellen ist das Wachstum. Die Ausweitung des Wohlstands ist geprägt von steigenden Investitionen in Bauten und gesteigertem Konsumverhalten. Der Erfolg eines Unternehmens orientiert sich in der Regel an höherer Wertschöpfung und höherem Gewinn, verbunden mit einer höheren Kapitalisierung an den Finanzmärkten. Diese wirtschaftliche Wachstums-Logik und die damit verbundenen Mechanismen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als selbstverständliches Basismodell etabliert und sich als «Wohlstands-Perpetuum-Mobile» ins Gedächtnis der Gesellschaft eingeprägt. Als wichtiger und zugleich willkommener Nebeneffekt dieses Wachstums- und Verschuldungskonzepts akzeptieren wir gerne, dass sich mit der durch das Wachstum indizierten Inflation die Schulden ganz von alleine reduzieren. Steigende Löhne mehren grundsätzlich das Vermögen, wenn da nicht auch die horrend wachsenden Gesundheits- und Sozialkosten und höhere Abgaben für Infrastrukturinvestitionen eine unangenehme und oft verdrängte Zielquittung vermittelten, dass langfristig etwas mit der wundersamen Wirkung des Wachstums nicht aufgehen kann.
Rezessive Phasen bieten eine günstige Gelegenheit, darüber nachzudenken, was «Erfolg» eigentlich ausmacht und weshalb man Wachstum nicht automatisch mit quantitativen, sondern vor allem auch mit qualitativen Elementen assoziieren sollte. Zugegeben, dies ist für das oberste Management eine sehr anspruchsvolle Führungsaufgabe. Die Erfolge liegen nicht sofort und nicht einfach messbar auf der Hand. Qualität ist in unsicheren und stürmischen Zeiten der zentrale Erfolgsfaktor, «Unqualität» kann rasch zu spürbaren Irritationen führen.
Es ist bezeichnend, dass sich Kunden in rezessiven Phasen mit tiefen Zinsen mehr für Sicherheit als Rendite interessieren. Sicherheit steht in enger Verbindung mit der erlebten Glaubwürdigkeit eines Unternehmens und seines Managements. Dabei sind Werte und gelebte Unternehmenskultur ebenso wichtig wie die Fokussierung auf die Kernkompetenzen. Oder anders ausgedrückt: Eine Philosophie, Geschäfte nur dann zu machen, wenn man sie versteht und verständlich machen kann, bewährt sich. Einfachheit, Offenheit und Stabilität sind zentrale Erfolgsfaktoren für ein ambitioniertes Unternehmen.
Erfolgreich sein bedeutet, die eigene Handlungsfreiheit jederzeit zu wahren. Wichtig sind dabei eine komfortable Eigenkapitalausstattung, ein intelligentes Kostenmanagement, das Leben von Partnerschaften auf Augenhöhe und Offenheit für neue Ideen, verbunden mit dem Willen, auch schmerzhafte Veränderungen umzusetzen. Eine langjährige sorgfältige Unternehmenspolitik abseits maximierter Eigenkapitalrendite und übermässiger Ausschüttungen an alle Stakeholder erlaubt in solchen Zeiten, sogar akquisitorisch zu wachsen und dabei die eigene Marktposition zu festigen.
Auf stetige Maximierung ausgerichtete Modelle führen eher zu Misserfolgen als stabile, auf langfristigen Erfolg ausgerichtete Strategien. Eine kundenorientierte Unternehmens-Philosophie, ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis, eine gut verkraftbare Verschuldung mit entsprechender Eigenkapitalausstattung, wahrnehmbare Konstanz und Verlässlichkeit sind Attribute, die den Kunden die Gewissheit geben, dass das Unternehmen auch in fünf Jahren noch die versprochene Leistung erbringen kann. Die neuere Vergangenheit hat eindrücklich gezeigt, dass Geschäftsmodelle mit einem hohen Leverage (Hebelwirkung) und einem hohen Risikoexposure in einem stagnierenden oder sogar schrumpfenden Markt gefährdeter sind. Die offensichtlich guten Chancen für gesunde Firmen sollten Ansporn sein, die eigene Strategie laufend auf Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit zu überprüfen.
Auf gesellschaftlicher Ebene bedeutet eine Welt ohne quantitatives Wachstum Abschied nehmen von dauernd steigenden Ansprüchen gegenüber dem Staat und an die diversen Sozialwerke. Renten müssen sich zurückbilden oder wir alle müssen mehr Vorleistungen bringen, Ansprüche an das Gesundheitswesen sind zurückzunehmen, Erwartungen an den Service public müssen sich auf ein realistisches Mass beschränken. Etwas mehr Bescheidenheit und Dankbarkeit für das Privileg, in einem der wohlhabendsten und stabilsten Länder zu wohnen, steht uns gut an. Die Rückbesinnung auf nicht rein materielle Werte gibt uns Gelegenheit, Zeitabschnitte ohne Wachstum zu nutzen und uns zu fragen, ob es nicht Wichtigeres gibt als permanentes Wachstum.
Tags: Bescheidenheit > Dankbarkeit > Erfolg > Handlungsspielraum > Kernkompetenzen > Maximierung > Rezessive Phase > Sicherheit > Wachstum > Wohlstand
Kultur kennt keine Grenzen
Publiziert: 23.01.2012 | 2 Kommentare
Dr. Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung
Die BLKB ist die Bank der Baselbieter. Und wir sind selbstverständlich auch die Bank für die ganze Region Nordwestschweiz. Wir schauen über die Grenzen hinaus: als Bank und als Sponsor. Darum unterstützen wir aus Überzeugung die Kultur in unserer Region. Kürzlich haben wir den Sponsoringvertrag mit dem Ballett Basel verlängert. Ballett und Pfyfferli, Viva Cello und Jodlerclub – in unserem Kulturverständnis hat alles Platz. Diese Unterstützung ist so breit wie die Kultur selbst: Geografisch und inhaltlich. Die Förderung der Lokalkultur im Oberbaselbiet ist für uns genauso wichtig wie die Unterstützung des Spitzenballetts in der Stadt. Denn beides ist Kultur, nur das Publikum ist ein anderes – genauso wie unsere Kundinnen und Kunden ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen und Bedürfnissen.
Geld und Geist
Publiziert: 7.12.2011 | 7 Kommentare
Herbert Kumbartzki, Leiter Geschäftsbereich Finanzen & Riskoffice
Geld ohne Geist: Kann das auf die Dauer gut gehen? Herbert Kumbartzki ist Mitglied der Geschäftsleitung und leitet bei der BLKB den Geschäftsbereich Finanzen und Risk Office. Als ausgebildeter Finanzanalyst, Ökonom und Theologe hat er dazu eine klare Meinung.
Das Verhältnis von Geld und Geist ist spannungsvoll, wenn diese beiden überhaupt ein Verhältnis haben. Geld hat in einer Volkswirtschaft klassisch die Funktionen von Tauschmittel, Rechnungseinheit und Wertaufbewahrung. Mit dem Abschied vom Goldstandard hat die letzte Funktion stark an Vertrauen verloren. Inwieweit reines Papiergeld, welches nur durch das Versprechen einer Zentralbank bzw. einer Regierung gedeckt ist, noch Wert hat, wird gerade im Euroraum heftig diskutiert. Trotz allem hat in den letzten Jahrzehnten die Bedeutung des inneren Wertes des Geldes die Ökonomisierung aller Lebensräume vorangetrieben.
Es scheint so, als wenn der Mensch nur noch über seine Kaufkraft definiert wird. «Ich denke, also bin ich» (Descartes) wurde ersetzt durch: «Ich kaufe, also bin ich». Was früher die Religionszugehörigkeit war, ist heute die Gemeinschaft der Marke. Der klerikale Raum der Vergangenheit wurde ersetzt durch das Shoppingcenter, welches durch die neuen Hohepriester des Marketings glorifiziert wird. Gleichzeitig gewinnt das Thema Geist, salopp mit Ethik und Anstand gleichgesetzt, wieder an Bedeutung. Die Compliance-Abteilungen der Banken wachsen, da nun alles anständiger werden soll. Wirtschaftsethik wird zum Anlagethema und der Verein der ehrbaren Kaufleute in Hamburg findet immer mehr Zustrom.
Für die liberalen Denker der österreichischen Schule der Nationalökonomie wie Hayek und Ludwig von Mise gehörte die Ethik zu den Grundpfeilern einer liberalen Politik. Ob die ethischen Grundwerte auf dem Hintergrund einer Pflichtenethik die Menschenwürde in den Mittelpunkt stellen (Kant), die Mündigkeit voraussetzen (Popper), die Fairness betonen (Rawls) oder von der Toleranz leben (Lessing), eine menschliche Gemeinschaft braucht ein gemeinsames Wertefundament, um sinnvoll gemeinsam leben zu können. In diesem Sinne führt die Einstellung «Ich kaufe, also bin ich» schnurstracks in den ethischen Abgrund. Und trotzdem: Ohne Geld (oder eine andere Form desselbigen) geht es nicht.
Die Banken, die ihr Geld mit Geld verdienen, müssen Diener der Realwirtschaft sein oder wieder werden. Die Umwandlung von Spargeldern in Investitionen gehört zu ihrer Kernkompetenz. Durch die Investitionen kann Neues geschaffen werden und können Bedürfnisse der Gesellschaft gedeckt werden. Es ist die Verantwortung der Banken, dieses Schmiermittel zwischen Sparern und Investoren in Gang zu halten. In diesem Sinne gehören Geld und Geist zusammen, damit gemeinsames Leben sinnvoll gestaltet werden kann.
Und was denken Sie? Ich bin gespannt auf Ihren Kommentar.
Tags: Anstand > Ethik > Fairness > Geist > Geld > Grundwerte > Investitionen > Kaufkraft > Ökonomisierung > Realwirtschaft > Spargelder > Toleranz > Wirtschaftsethik
Investmentbanken müssen abgetrennt werden
Publiziert: 16.11.2011 | 7 Kommentare
Dr. Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung