Liegenschaftseigentümer können massgeblich zur Erreichung der Klimaziele 2050 beitragen

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Der Nationalrat hat am 2.März 2017 dem Klimaabkommen von Paris zugestimmt, wonach die Treibhausgasemissionen in der Schweiz zwischen 1990 und 2030 um 50% reduziert werden sollen. Der Bundesrat hat dieses Minderungsziel am 28. August 2019 so präzisiert, dass die Schweiz bis 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen soll, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können. Dies bedeutet Netto-Null Emissionen bis zum Jahr 2050.

Mit rund 24% % trägt der Gebäudepark, zusammen mit dem Verkehr (32%) und der Industrie (24%) am stärksten zum Total der Treibhausgasemissionen bei¹. Eigentümer von Liegenschaften können also direkt zur Erreichung der gesteckten Klimaziele beitragen. Verschiedene klimapolitische Instrumente wie das Gebäudeprogramm, die kantonalen Förderprogramme oder auch die seit 2008 auf Brennstoffen erhobene CO2-Abgabe sollen die Emissionsreduktion unterstützen. Gemäss dem Bundesamt für Statistik² werden in der Schweiz allerdings noch immer rund 60 % aller Gebäude mit Heizöl oder Gas beheizt.

Die Veränderung im gesamten Gebäudebestand der Schweiz erfolgt mit einer jährlichen Renovationsquote von ca. 1%³ nur sehr langsam. Um das gesteckte «Netto-Null» Ziel im Jahr 2050 zu erreichen, müssen energetische Investitionen deutlich schneller erfolgen. Die dazu notwendigen Technologien zur Substitution fossiler Energieträger und zur effektiven Wärmedämmung für Fassaden, Fenster und Dächer sind vorhanden. Die Klima-Uhr tickt und die Liegenschaftseigentümer sind jetzt gefordert.

Stetige Entwicklung der Baunormen führten dazu, dass Neubauten bereits heute weitgehend mit erneuerbaren Heizsystemen ausgestattet werden und auch die Gebäudehülle hohe Ansprüche erfüllt. Handlungsbedarf besteht aber beim Gebäudebestand, also bei Liegenschaften, die vor über 10 Jahren erstellt wurden. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 1 Mio. Liegenschaften in der Schweiz hohen bis sehr hohen Renovationsbedarf aufweisen.

Leider sind die bestehenden Förderungsmassnahmen durch hohe Mitnahmeeffekte geprägt und haben nur wenig direkten Einfluss auf Zeitpunkt und Höhe energetischer Investitionen. Aus diesem Grund werden zusätzliche Massnahmen notwendig. Gemäss Artikel 9 des CO2-Gesetzes sind die Kantone verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die CO2-Emissionen aus Gebäuden, die mit fossilen Energieträgern beheizt werden, zielkonform vermindert werden. Die Energiegesetze verschiedener Kantone wurden dahingehend verschärft, dass Öl- und Gasheizungen am Ende ihrer Lebensdauer durch ein klimaneutrales Heizsystem ersetzt werden müssen.

Eigentümer von Liegenschaften sollten sich jetzt Gedanken zu energetischen Investitionen in ihre Liegenschaft machen und folgende Fragen beantworten:

  • Welche energetischen Massnahmen sind zu tätigen? Welche Massnahmen haben den grössten Einfluss auf die CO2-Emission meiner Liegenschaft?
  • Wie sieht der Renovationsplan meiner Liegenschaft aus? Wie hoch sind die Kosten der energetischen Massnahmen, welche Ersatzinvestitionen kommen zusätzlich auf mich zu? Wie lassen sich diese Investitionen optimal über die nächsten Jahre verteilen?
  • Welchen Einfluss haben diese Investitionen auf den zukünftigen Wert meiner Liegenschaft und wie kann ich die Investitionen finanzieren? Wie beurteilt meine Bank meinen Renovationsplan?

Als zukunftsorientierte Bank und führender Hypothekargeber in der Nordwestschweiz wollen wir unsere Verantwortung in diesem Prozess übernehmen. Die Verbesserung der Nachhaltigkeit einer Liegenschaft soll Teil jeder Hypothekarberatung sein. Auch bei der Umsetzung energetischer Massnahmen wollen wir unsere Kunden unterstützen. In Kooperation mit zwei regionalen Energiedienstleistungsunternehmen ermöglichen wir Interessenten über die Plattform sun2050.ch schon heute die Möglichkeit, eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ihrer Liegenschaft zu realisieren. Dieses Angebot wird im 2. Halbjahr 2022 weiter ausgebaut.
Wir prägen heute die Welt von morgen.


¹ BAFU, Treibhausgasinventar, April 2021
² Bundesamt für Statistik, Energiebereich, Heizsystem und Energieträger, 2017
³ Schweizerischer Nationalfonds

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Pierre Kull
Mitarbeiter Produkt- & Prozessmanagement bei BLKB
Pierre Kull hat seinen Master of Business Administration abgeschlossen und arbeitet im Ressort Produktmanagement der BLKB. Er versorgt die Leserinnen und Leser regelmässig mit Beiträgen zu aktuellen Themen und Entwicklungen im Bereich Finanzierungen.

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