Achtung, Reformstau!

0
3
0

Aus Vorsorgesicht steht eine spannende Zeit bevor. Gerade über zwei wichtige Fragen wird in diesem Jahr debattiert und diese werden wohl auch zur Volksabstimmung gebracht. Die Finanzierung der Altersrenten steht auf wackligen Beinen. Reformen sind daher dringend nötig. Aus heutiger Sicht darf man davon ausgehen, dass wir im Herbst über die AHV-Reform abstimmen werden. Die Reform der beruflichen Vorsorge wird wohl in der Sommersession im Parlament heiss diskutiert werden.

Was soll mit den Reformen der ersten und der zweiten Säule verändert werden? Die finanzielle Situation dieser Vorsorgewerke verschlechtert sich laufend und es kommt zur Vermögens- und Leistungsumverteilung zwischen Jung und Alt. Ein Grund dafür ist die steigende Lebenserwartung, welche die Rentenbezugsdauer sowohl in der ersten wie auch in der zweiten Säule laufend erhöht. In der beruflichen Vorsorge spielt zudem noch das tiefe Zinsumfeld eine entscheidende Rolle.

Ohne Reform wird der AHV-Ausgleichsfonds weiter in Schieflage bleiben. Dies allein zeigt schon, wie wichtig eine Reform ist. Nachdem die Reform «Altersvorsorge 2020» im Jahr 2017 vom Schweizer Stimmvolk abgelehnt wurde, ist dies nun der neue Versuch.

Die wohl wichtigste und zugleich auch umstrittenste Frage wird das Rentenalter der Frau sein. Um die AHV langfristig zu sichern, ist aus Sicht des BLKB-Vorsorgeexperten Adrian Simmen dieser Schritt unumgänglich.

Die Ziele der AHV wie auch des BVG sind mehrheitlich die gleichen. Die Renten sollen langfristig sichergestellt werden, und zwar auf dem aktuellen Rentenniveau. Zudem wird, speziell mit der BVG-Reform, die Absicherung von Teilzeitbeschäftigten verbessert.

Die wichtigsten Änderungen:

AHV-Reform

  • Schrittweise Angleichung des AHV-Rentenalters der Frauen an das bisherige Rentenalter für Männer. Neu soll das Rentenalter 65 für alle gelten.
    Die ersten betroffenen Jahrgänge sollen einen lebenslangen Ausgleich erhalten.
  • Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4% auf neu 8,1%. Diese Mehreinnahmen fliessen direkt in die AHV.
  • Das Rentenalter wird zudem flexibler. Neu soll eine Pensionierung zwischen Alter 63 und 70 möglich sein, zum Beispiel auch schrittweise.

BVG-Reform

  • Senkung des Umwandlungssatzes auf 6%
    Das heisst, für ein Alterskapital in der Pensionskasse von CHF 100’000.– gibt es neu eine Rente von CHF 6000.– pro Jahr (bisher CHF 6800.– p.a.).
    Davon betroffen ist nur der obligatorische Teil der Pensionskasse. Ein Grossteil der Arbeitnehmer ist zusätzlich überobligatorisch versichert. Auf diesem Teil sind die Anpassungen in der Regel bereits vollzogen.
  • Um die Vorsorge von Personen mit tiefem Einkommen zu verbessern, soll mit der Vorlage zudem der Koordinationsabzug von heute rund um CHF 25’000.– halbiert werden. Dadurch wird ein höherer Lohn versichert. Versicherte mit kleineren Löhnen, darunter insbesondere Frauen und Teilzeitbeschäftigte, erhalten so eine bessere soziale Absicherung im Alter und bei Invalidität. Dadurch wird auch die Eintrittsschwelle in die Pensionskasse gesenkt; Personen mit geringerem Einkommen erhalten neu einen Pensionskassenanschluss und somit höhere Leistungen im Alter.
  • Der Sparprozess soll bereits mit Alter 20 beginnen und somit schon 5 Jahre früher als heute. Dadurch spart jede versicherte Person mehr ins individuelle «Spartöpfli» der Pensionskasse.
  • Die heute nach Alter stark gestaffelten Beitragssätze für den Sparteil sollen flacher werden und so die Chancen für ältere Arbeitsnehmende auf dem Arbeitsmarkt verbessern.
  • Auch bei der BVG-Reform sollen die ersten betroffenen Jahrgänge als Teilausgleich einen Rentenzuschlag erhalten.

Was heisst das für Sie?

  • Heute ist noch völlig offen, ob die beiden Reformen vom Volk angenommen werden. Sicher ist nur eines: Nehmen Sie Ihre Vorsorge selber in die Hand und lassen Sie sich beraten. So sind Sie bestmöglich aufgestellt, um rechtzeitig auf die Veränderungen reagieren zu können. Die Vorsorgeexpertinnen und –experten der BLKB sind gerne für Sie da.
3
0
Teilen.
Adrian Simmen
Leiter Financial Planning bei BLKB
Adrian Simmen ist Leiter Financial Planning und Referent bei den BLKB-Vorsorgeforen. Seit vielen Jahren begleitet er Kundinnen und Kunden auf dem Weg in die Pensionierung. Seine Artikel kommen aus den Bereichen Vorsorge, Pensionierung und Steuern.

Eine Antwort geben