Steigende Hypozinsen – was Wohneigentümer:innen beachten sollten

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Die Zinsen auf Hypotheken sind am Steigen. Die 10-jährigen Festzins-Hypotheken haben sich bei der BLKB seit Anfang Dezember um rund 0,5% verteuert. «Kein Grund zur Panik für Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer», betont Hypothekenexpertin Fabienne Schindler, «die Zinsen bewegen sich noch immer auf tiefem Niveau, auch wenn wir davon ausgehen, dass sie in den nächsten Monaten weiter moderat steigen werden. Es kann sich also trotzdem lohnen, die Situation im Auge zu behalten, insbesondere beim Neuabschluss oder bei der Verlängerung einer Hypothek.

Warum steigen die Hypozinsen wieder?
Die Gründe für die jüngsten Zinsanstiege sind primär in der voranschreitenden Konjunkturerholung zu finden. Obwohl die Schweizerische Nationalbank (SNB) auf absehbare Zeit noch nicht an der Zinsschraube drehen dürfte, reagieren die Zinsen auf den globalen Konjunkturoptimismus und auf steigende Inflationsraten.

Herrschen in der Schweiz bald wieder so hohe Zinsen wie in den 90er-Jahren, als zehnjährige Hypotheken bei 8% lagen?
Davon sind wir noch weit entfernt. Grundsätzlich rechnen wir 2022 mit moderat steigenden Zinsen im Bereich der mittel- bis langfristigen Zinsen und mit maximal einem Zinsschritt (0,25%) der Schweizerischen Nationalbank im kurzfristigen, unterjährigen Bereich in den nächsten 12 Monaten.

Sind bestehende Festzins-Hypotheken von steigenden Zinsen betroffen?
Auch hier können wir Eigentümerinnen und Eigentümer beruhigen. Bestehende Festzins-Hypotheken sind von den Zinsanstiegen nicht betroffen. Wie der Name sagt, sind die Zinsen für die vereinbarte Laufzeit fix. Wenn Ihre Festzins-Hypothek jedoch in den nächsten Monaten ausläuft, dann müssen Sie bei der Verlängerung allenfalls mit etwas höheren Zinssätzen rechnen. Die BLKB bietet die Möglichkeit, die Zinsen für Festzins-Hypotheken bis zu 12 Monaten vor Ablauf zu fixieren und so allfällig weiter steigenden Zinsen entgegenzuwirken.

Was sollte ich beachten, wenn ich eine SARON-Hypothek habe?
Die Zinssätze für SARON-Hypotheken sind von den jüngsten Zinsanstiegen noch nicht betroffen. Sie hängen direkt vom Leitzins der Nationalbank ab, der nach wie vor im negativen Bereich liegt. Die Zinssätze für SARON-Hypotheken werden voraussichtlich erst steigen, wenn die Nationalbank den Leitzins erhöht. Um allfällige Zinssteigerungen bei SARON-Hypotheken zu vermeiden, haben Kundinnen und Kunden mit einer SARON-Hypothek bei der BLKB die Möglichkeit, einmalig in eine Festzins-Hypothek zu wechseln. Ob und wann ein Wechsel sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation sowie der persönlichen Risikobereitschaft ab.

Und wenn ich eine SARON-Hypothek abschliessen möchte?
Wer heute neu eine SARON-Hypothek abschliesst, profitiert nach wie vor von attraktiven, tiefen Zinsen. Gleichzeitig nimmt man aber zukünftige Zinserhöhungen respektive Zinsschwankungen aktiv in Kauf. Eine beliebte Option ist zum Beispiel der Mix zwischen einer SARON- und einer mittel- bis langfristigen Festzins-Hypothek. So kann man mit einem Teil der Hypothek noch von den tiefen SARON-Sätzen profitieren und mit dem anderen Teil der Hypothek hat man für mehrere Jahre Budgetsicherheit.

Und was raten Sie generell bei Neufinanzierungen?
Bei Neufinanzierungen geht der Trend im Moment klar in Richtung langfristige Festzins-Hypotheken. Dies ist auch nachvollziehbar, da die meisten nach dem kostenintensiven Erwerb des Eigenheims für die nächsten Jahre Budgetsicherheit haben möchten. Und auch in Anbetracht der leicht steigenden Zinsen macht eine mittel- bis langfristige Festzins-Hypothek für viele Ersterwerber:innen von Wohneigentum Sinn. Aber auch hier gilt: Um Zinsrisiken zu reduzieren, sollte eine Staffelung der Hypothek auf mehrere Laufzeiten geprüft werden.

Und was raten Sie generell bei der Erneuerung einer ablaufenden Hypothek?
Auch bei Verlängerungen schliesst ein Grossteil der Hypothekarnehmer:innen Festzins-Hypotheken ab. Die Wahl der Laufzeit ist hier jedoch individueller. Je nach Lebenssituation und Zukunftsplänen eignet sich eine kurzfristige Festzins-Hypothek, trotz der leicht steigenden Zinsen, für einige besser als eine 10-jährige Festzins-Hypothek. Zum Beispiel, wenn Sie kurz vor der Pensionierung stehen und vorhaben, einen Teil der Hypothek in 2 bis 3 Jahren zurückzuzahlen. Oder wenn Sie beabsichtigen, die Liegenschaft in den kommenden Jahren zu veräussern. In solchen Fällen ist man mit kurzfristigen Festzins- oder SARON-Hypotheken flexibler als mit langfristigen. Möchte man nämlich vorzeitig aus Festzins-Hypotheken aussteigen, dann fällt eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung an. Das bedeutet, dass man die ausstehenden Zinsen bis zum Laufzeitende der Bank vorzeitig schuldig ist. Und das kann teuer werden. Wie man sieht, hängt also die richtige Wahl des Hypothekarmodells nicht nur von der Zinssituation, sondern auch von vielen weiteren, individuellen Faktoren ab. Am besten lässt sich dies im persönlichen Gespräch mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater klären. So kann für Sie eine Hypothekarlösung gefunden werden, die optimal zu Ihnen passt. Schliesslich wollen wir, dass Sie Ihre eigenen vier Wände geniessen können: Denn das ist es, was morgen für Sie zählt.

Lösen die jüngsten Zinsanstiege Unsicherheiten oder Fragen bei Ihnen aus, dann sprechen Sie mit uns. Unsere Immobilienexpertinnen und –experten sind gerne für Sie da:
+41 61 925 94 94 oder Beratung

Was beeinflusst die kurz- respektive langfristigen Zinsen?

  • Die unterjährigen Zinsen steuert die Schweizerische Nationalbank. Die Zinspolitik der Nationalbank hängt im Wesentlichen von der Konjunktur, der Inflation und den Wechselkursen ab. Senkt die Nationalbank also ihren Leitzins, auf welchem auch die SARON-Hypothek beruht, so sinken in aller Regel auch die kurzfristigen Zinsen. Erhöht hingegen die Nationalbank ihre Leitzinsen, so steigen auch die kurzfristigen Zinsen. Zurzeit hat die Nationalbank noch keine Leitzinserhöhungen in Aussicht gestellt.
  • Festzins-Hypotheken orientieren sich grundsätzlich nicht am Leitzins der Nationalbank, sondern an den langfristigen Zinsen. Die Teilnehmer des Kapitalmarkts versuchen, die Entwicklung der Zinsen vorherzusehen. Rechnen diese mit einer schwächeren Konjunktur oder gar mit einer Rezession in den kommenden Jahren, sinken die langfristigen Zinsen normalerweise. Umgekehrt steigen die langfristigen Zinsen, sobald sich eine Konjunkturerholung abzeichnet – unter Umständen lange bevor die Nationalbank den kurzfristigen Leitzins anhebt.
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Fabienne Schindler
Verantwortliche Produktmanagement Hypotheken bei BLKB
Fabienne Schindler ist Betriebsökonomin FH und arbeitet als Produktmanagerin bei der BLKB im Bereich Hypotheken und Immobilien. Sie versorgt die Leserinnen und Leser regelmässig mit Beiträgen rund um die Themen „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

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