Tiefzinsumfeld – sind Obligationen weiterhin sinnvoll?

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Seit etwa 7 Jahren herrscht in der Schweiz nicht nur ein Tiefzinsumfeld, sondern ein Negativzinsumfeld. Der Grossteil der Obligationen von guten Schuldnern weist eine negative Rendite auf. Kaufen Sie also heute z.B. einen Pfandbrief mit fünf Jahren Laufzeit und behalten diesen bis zum Verfall, werden Sie garantiert einen Verlust von etwa 0.5% pro Jahr erleiden. Verluste sind schlecht, das macht also keinen Sinn! Sollen Sie dennoch als Teil Ihrer strategischen Vermögensanlage in Obligationen investieren? Die Antwort ist ganz klar: ja.

Positive Effekte von Obligationen

Um von den Obligationen zu profitieren, wechseln wir die Strategie. Wir kaufen nun nicht mehr die einzelne Obligation und halten sie bis zur Rückzahlung. Wir mischen mehrere Obligationen mit unterschiedlichen Laufzeiten zu einem Aktienportfolio hinzu und verwalten diese aktiv. Es finden also auch während der Laufzeit Käufe und Verkäufe statt. Dabei sind zwei wesentliche Effekte zu beobachten:

Roll-Down-Effekt

Durch die aktive Entscheidung, Anleihen zu kaufen und auch vor Laufzeitende wieder zu verkaufen, nutzen wir den sogenannten Roll-Down-Effekt. Dieser Effekt beschreibt die Kursentwicklung einer Anleihe während der Laufzeit. Kaufen Sie heute eine Anleihe mit Restlaufzeit von fünf Jahren mit entsprechender Rendite, hat diese nächstes Jahr nur noch eine Restlaufzeit von vier Jahren mit dann tieferer Rendite. Kürzer laufende Anleihen sind am Markt gefragter, daher werden entsprechend höhere Kurse geboten. Der Preis steigt, die Rendite sinkt. Wir als aktive Verwalter nutzen diesen Umstand und realisieren den Gewinn.

Was sich sehr theoretisch anhört, zeigen wir in der Praxis. Seit Dezember 2014 herrscht in der Schweiz ein negatives Zinsumfeld. Dennoch konnten wir z.B. mit unseren Next Generation Fonds in den vergangenen Jahren im Durchschnitt eine positive Rendite auf Obligationen erwirtschaften.

Risikoreduktion

Der zweite zu beobachtende Effekt ist, dass sich das Gesamtverhalten des Portfolios positiv verändert. Wenn z.B. Aktien hohe Verlust erleiden, fliehen Anleger in den Obligationenmarkt, was hier wiederum steigende Kurse verursacht. Der Gesamtwert der im Portfolio enthaltenen Anlagen schwankt somit weniger, und erholt sich schneller von Marktturbulenzen. So konnten sich Portfolios mit einer ausgewogenen Strategie nach der Finanzkrise 2008 bereits 2010 vollständig erholen. Ein reines Aktienportfolio erholte sich erst 2013.

Obligationen sind damit ein wichtiger Bestandteil zur Risikoreduktion im Portfolio. Sie können selbst bei einem negativen Zinsumfeld durch eine aktive Verwaltung einen positiven Renditebeitrag liefern und ermöglichen es Anlegerinnen und Anlegern, ihr individuelles Risikoprofil in einem Portfolio abzubilden.

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Edi Strukar
Investment Specialist bei BLKB
Edi Strukar arbeitet als Junior Investment Specialist bei der BLKB. Er analysiert und bearbeitet aktuelle Anlagethemen und unterstützt das Team Quantitatives Management.

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