«Was die Realisation innovativer Holzbauten betrifft, stehen wir erst am Anfang»

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Wie werden wir in Zukunft wohnen? Der Blick in die Gegenwart zeigt: Holz gewinnt als nachhaltiger Baustoff weiter an Bedeutung. Lukas Hasler, Präsident des Verbands Lignum Region Basel, dem Dachverband der regionalen Holzwirtschaft, kennt die Gründe.

Der Naturstoff Holz steht in der Gunst von Bauplanern und Bauherrschaften weit oben. Nicht nur was das Thema Nachhaltigkeit angeht. Holz sorgt für ein behagliches Wohngefühl, schmeichelt der Nase und weiss auch durch äussere Reize zu überzeugen. Durch und durch eine bäumige Sache. Doch welche Pluspunkte kann Holz im Vergleich mit anderen Baustoffen für sich verbuchen und welche Bauten sind überhaupt realisierbar? Holzbauexperte und Präsident des Verbands Lignum Region Basel, Lukas Hasler, gibt Antworten auf diese und weitere Fragen.

Herr Hasler, was macht den Holzbau nachhaltiger als den Bau mit anderen Stoffen?

Holz ist der einzige nennenswerte Baustoff, der nachwächst. Ohne Zutun des Menschen wird es alleine durch die Natur produziert. Seine positive Eigenschaft als Kohlenstoffspeicher bleibt auch in verbauter Form erhalten. Beim Holzbau wird das CO2 für 30 bis 40 Jahre eingelagert und bleibt für weitere Jahrzehnte gebunden, wenn das Holz später einer Zweit- oder Kaskadennutzung zugeführt wird. Erst beim Verbrennen gelangt es wieder in die Atmosphäre. Die grösste Einsparung bei der Freisetzung von CO2 erzielt man, wenn regionale Holzbaufirmen beauftragt werden, die Schweizer Holz einsetzen.

Was spricht neben dem Nachhaltigkeitsaspekt sonst noch für den Werkstoff Holz?

Holzwände sind in der Regel schlanker als Beton- oder Backsteinmauern, bei besseren Isolationswerten. Die Wohnfläche wird grösser. Bei einem Einfamilienhaus kann so die Fläche eines zusätzlichen Zimmers gewonnen werden. Die Bauzeit ist zudem kürzer. Austrocknungsphasen, wie sie bei Massivbauten nötig sind, fallen weg. Sobald die Kellerdecke erstellt ist, kann der Holzbau dank der Vorfertigung aufgerichtet werden. Bei einem Einfamilienhaus rechnet man mit einer Woche, danach können bereits die Ausbauarbeiten beginnen. Zudem ist Holz stark und gleichzeitig, im Verhältnis zu seinem Volumen, leicht, was Transport und Logistik vereinfachen und günstiger machen.

Nicht nur der Mensch schätzt das Holz. Gewisse Schädlinge haben es zum Fressen gern. Eine Gefahr für Hausbewohner?

Eiweissstoffe, die den Schädlingen als Nahrung dienen, werden bei der Holztrocknung und Verarbeitung vernichtet. In heutigen Holzbauten sind ungebetene Gäste deshalb kein Thema mehr. Auch eine erhöhte Brandgefahr, die gelegentlich ins Feld geführt wird, stellt kein Hindernis dar. Die Brandgefahr im Holzhaus ist nicht höher als im Massivbau. Brandbeschleunigend wirken eher Einrichtungen wie Vorhänge, Teppiche, Polstermöbel und anderes Mobiliar. Die Gebäudeversicherung stellt dementsprechend keine zusätzlichen Vorgaben für Holzbauten bis zu einer Höhe von elf Metern.

In Zug soll einst ein 80-Meter-Holzhochhaus in den Himmel ragen. Lässt sich mit Holz grundsätzlich alles bauen?

Was die Realisation innovativer Holzbauten betrifft, stehen wir erst am Anfang. Es ist absehbar, dass es in Zukunft wohl noch höher hinausgeht. Aber auch flächenmässig haben Holzbauten in den letzten Jahren zugelegt. Wurden früher in erster Linie Einfamilienhäuser aus Holz gebaut, sind heute Mehrfamilienhäuser mit Dutzenden Wohnungen keine Seltenheit mehr. Das lässt sich auch anhand verschiedener Beispiele in der Region wie in Allschwil, Lausen oder Gelterkinden sehen.

Sie leben mit ihrer Familie in einem Haus aus Holz. Was schätzen Sie daran?

Ich wage zu behaupten: Wer einmal in einem Holzhaus gelebt hat, würde nicht mehr so schnell oder gar nicht mehr tauschen. Uns geht es seit dreissig Jahren so. Man fühlt sich einfach wohl. Durch die feuchteregulierende Eigenschaft des Holzes geniessen wir das ganze Jahr über ein ausgesprochen angenehmes Wohnklima.

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Fabienne Schindler
Verantwortliche Produktmanagement Hypotheken bei BLKB
Fabienne Schindler ist Betriebsökonomin FH und arbeitet als Produktmanagerin bei der BLKB im Bereich Hypotheken und Immobilien. Sie versorgt die Leserinnen und Leser regelmässig mit Beiträgen rund um die Themen „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

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