Loslassen ist schwer – und nötig

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Einen Betrieb weiterzugeben und in die Zukunft zu führen, ist ein organisatorischer, rechtlicher, betriebswirtschaftlicher und nicht selten auch ein emotionaler Kraftakt. Fünf KMU aus der Nordwestschweiz erzählen im Nachhaltigkeitsmagazin «hüt&morn», wie sie die Unternehmensweitergabe angehen und umsetzen. Hier ein Beispiel.

Egal ob von langer Hand vorbereitet oder langsam herauskristallisiert: Eine Unternehmensweitergabe ist ein langer Prozess. Da verwundert es nicht, dass die Nachfolge bei vielen KMU in der Region aktuell eine Herausforderung darstellt. Die «Nachfolge-Studie KMU Schweiz 2020» des Wirtschaftsinformationsdienstes Bisnode D&B zeigt, dass aktuell etwas mehr als 13 Prozent der KMU in der Schweiz mit einem Nachfolgeproblem konfrontiert sind. Bei den Betrieben in der Nordwestschweiz soll die Nachfolge gar bei 15,3 Prozent der KMU aktuell ungewiss sein – das entspricht gut 9900 Unternehmen.

Pascal Grolimund, stellvertretender Leiter Unternehmenskundenberatung für das Untere Baselbiet und Basel bei der BLKB, befasst sich seit gut zwölf Jahren mit der Thematik. Die Erfahrung zeige, dass sich Firmeninhaber mitunter sehr schwer damit tun, das von ihnen aufgebaute Unternehmen in neue Hände zu legen. «Der wichtigste Schritt ist es, loslassen zu können. Dieser Entscheid kann und muss dabei stets vom bisherigen Inhaber ausgehen», sagt Grolimund. Von grösster Bedeutung sei dabei das Ziel, die passende Person für die Nachfolge zu finden.

Von der Dorfschmiede zum Metallbauunternehmen

Die Unternehmensweitergabe bei Furrer Metallbau AG in Lausen wurde von langer Hand vorbereitet: «Die Grundlage dafür legte ich schon als 16-Jähriger, indem ich mich für eine Lehre als Metallbauer entschieden habe», erinnert sich Patrick Furrer (38), der 2019 die Geschäftsführung von seinem Vater übernommen hat und das Unternehmen jetzt in sechster Generation führt. Der Familienbetrieb, der ursprünglich als Dorfschmiede begann, generiert heute einen Jahresumsatz von rund vier Millionen Franken. 2011 trat Patrick Furrer vollumfänglich in den Familienbetrieb ein, nachdem er die Technikerschule absolviert hatte und Erfahrungen in anderen Unternehmen im internationalen Fassadenbau sammeln konnte. «Danach haben mein Vater und ich damit begonnen, sämtliche Beschlüsse gemeinsam zu fällen.»

Patrick Furrer zeigt sich überzeugt, dass eine Übergangsregelung nicht nur mit genügend Vorlaufzeit geplant, sondern auch getestet werden sollte. «Damit die Zeit nicht zu knapp wird, falls die angedachte Lösung nicht greift. Gerade in einem Familienbetrieb ist es wichtig, dass alles angesprochen wird und klare Verhältnisse geschaffen werden.»

Indikatoren für eine erfolgreiche Übergabe

Nicht selten geht das Unternehmen an die nächste Generation über, doch auch ein Management-Buy-out oder ein Verkauf an Dritte – beispielsweise an einen Mitbewerber – sind denkbar. Als hauptsächlichen Reibungspunkt bei einer Unternehmensweitergabe macht Pascal Grolimund, Unternehmenskundenberater der BLKB, nicht ganz überraschend, den Kaufpreis aus: «An diesem Punkt sind schon etliche Nachfolgeregelungen gescheitert.»
Doch was sind eigentlich die Indikatoren einer gelungenen Unternehmensweitergabe? «Dass sich zwei, drei Jahre nach der Übergabe der Firma der Kredit zurückzahlen lässt und dass die Zahlen stimmen», sagt Grolimund. «Eine Nachfolgeregelung ist ein Prozess, der sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen lässt. Damit ein Betrieb erfolgreich an einen neuen Besitzer übergeht, müssen sehr viele Rädchen ineinandergreifen.» So, dass das KMU auch in Zukunft rund laufen kann.

Wie andere Firmen die Unternehmensnachfolge erfolgreich aufgegleist haben und worauf es dabei zu achten gilt, lesen Sie im Artikel von Michael Gasser im aktuellen «hüt&morn», dem Nachhaltigkeitsmagazin für die Nordwestschweiz. Das Magazin kann online angeschaut oder als PDF heruntergeladen werden. Zudem ist es in allen BLKB-Niederlassungen kostenlos erhältlich oder kann kostenlos bestellt werden.

Nachhaltig engagiert für Mensch, Gesellschaft und Umwelt

Für die BLKB ist Nachhaltigkeit eine Herzensangelegenheit. Und um dem Ausdruck zu verleihen, hat sie 2020 unter dem Titel «hüt&morn» ein Nachhaltigkeitsmagazin für die Nordwestschweiz lanciert. Die aktuelle Ausgabe dreht sich um das Thema Generationen: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen Grossmutter, Mutter und Tochter im Gespräch? Welche Erbstücke liegen den Jungen der Generation Z am Herzen? Welche Varianten nachhaltigen Konsums gibt es?

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Patricia Rehmann
Spezialistin Unternehmenskommunikation bei BLKB
Patricia Rehmann hat Soziologie und Medienwissenschaften an der Universität Basel studiert und ist heute Spezialistin Unternehmenskommunikation bei der BLKB.

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