Ja, ich will mit dir vorsorgen!

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Im Frühling, wenn die Sonne lacht, unsere Herzen erwärmt und die Schmetterlinge auch im Bauch zu flattern beginnen, ist wieder Zeit zum Heiraten. Schön ists, wenn’s nicht nur in der Liebe passt, sondern auch beim Finanziellen stimmt – durch eine klare Regelung.

Ich bin mir bewusst, dass das Thema Finanzen nicht gerade zu den romantischsten Gedanken bei einer Hochzeit gehört. Trotzdem sollte das Thema nicht gänzlich von den vielen Glücksstoffen wie Dopamin, Adrenalin und Testosteron, die wild durch die Adern schiessen, ausgeblendet werden. Da sich die meisten Paare nicht gross damit auseinandersetzen, möchte ich hier einen Überblick geben. Die Ehe wird in der Schweiz, im Gegensatz zum Konkubinat, gesetzlich geregelt. Dies gibt Verheirateten den Vorteil, dass finanziell einiges klarer geregelt ist.

Steuern

Eine Heirat bewirkt, dass aus zwei separaten Steuerpflichten eine gemeinsame wird. Und zwar rückwirkend für das ganze Jahr, unabhängig vom Hochzeitsdatum. Da somit nur noch eine Steuererklärung auszufüllen ist, müssen Sie sich nur noch einig werden, wer diese Erklärung ausfüllen darf. Die Hochzeit hat anschliessend auch Einfluss auf die zu zahlenden Steuern. Wird bei Konkubinatspartnern das Einkommen jeweils einzeln versteuert, wird es bei verheirateten Doppelverdienern zusammengezählt. Dies führt zu einer höheren Steuerprogression. Um dem entgegenzuwirken, haben sowohl der Bund als auch die Kantone gewisse Abzüge eingeführt (z.B. Zweitverdienerabzug) und Anpassungen bei den Steuertarifen vorgenommen (z.B. Unterscheidung Alleinstehendentarif vs. Verheiratetentarif). Man kann deshalb nicht pauschal von einem Steuervor- oder -nachteil durch den Eheschein sprechen. Die viel zitierte «Heiratsstrafe» lässt bei Paaren mit hohem Einkommen die Steuerlast eher ansteigen, wohingegen Paare mit tieferem oder auch unterschiedlichem Einkommen eher von der gemeinsamen Besteuerung profitieren.

Einen klaren Vorteil für Ehepaare gibt es bei der Erbschaftssteuer. Ehepartner sind in der ganzen Schweiz von dieser Steuerlast befreit, wohingegen Konkubinatspaare in vielen Kantonen noch mit einer hohen Steuerbelastung bei Schenkungen und Erbe rechnen müssen.

Vorsorge

Vorsorgetechnisch sichern sich Ehepartner grundsätzlich besser (oder zumindest einfacher) ab als Konkubinatspaare.

  • 1. Säule/AHV: Die Beiträge, die während der Ehedauer geleistet werden, werden hälftig auf beide Ehepartner verteilt. Somit entstehen in der AHV keine Lücken, solange einer der beiden Beiträge leistet. Im Gegenzug erhalten Verheiratete nach der Pensionierung maximal 150% einer Maximalrente, sprich aktuell höchstens CHF 43’020.
    Im Todesfall besteht ein Anspruch auf Hinterlassenenleistungen aus der 1. Säule (unter gewissen Voraussetzungen).
  • 2. Säule: Die Pensionskassenguthaben werden weiterhin getrennt aufgebaut. Es wird bei der Stiftung jedoch vermerkt, wie hoch das Altersguthaben bei der Eheschliessung ist. Dies ist nötig, damit im Scheidungsfall klar ist, wie viel Guthaben während der Ehe angespart wurde. Dieser Betrag wird dann mit dem Ehepartner hälftig geteilt.
    Auch aus der 2. Säule stehen dem überlebenden Ehepartner im Todesfall gesetzlich Leistungen zu.
  • 3. Säule: Bei Erwerbstätigkeit können weiterhin beide Eheleute den Maximalbeitrag in die Säule 3a einzahlen. Vorsorgevermögen aus der Säule 3a gehen im Todesfall zuerst an den hinterbliebenen Ehegatten.

Das Vorsorgerecht sichert Verheiratete also zu einem gewissen Teil ab. Wie hoch der finanzielle Bedarf bei Erwerbsunfähigkeit, im Todesfall oder im Alter sein wird, ist jedoch sehr individuell. Eine detailliertere Analyse Ihrer Vorsorgesituation macht bei einer Veränderung der privaten Situation oder dem Erwerb von Wohneigentum sicherlich Sinn.

Ehe- und Erbrecht

Der sogenannte Güterstand entscheidet darüber, wie das gemeinsame Vermögen bei einer Scheidung oder in einem Todesfall aufgeteilt wird. Schliessen die Eheleute keinen Ehevertrag ab, so gilt die Errungenschaftsbeteiligung. Das heisst, dass das während der Ehe erwirtschaftete Vermögen je zur Hälfte aufgeteilt wird (sog. Errungenschaft). Jeder Ehegatte behält sein Eigengut (voreheliches Vermögen, Erbschaften, Schenkungen etc.). Im Todesfall geht die Hälfte der Errungenschaft an den überlebenden Ehepartner und die andere Hälfte in den Nachlass. Das Eigengut des Verstorbenen fällt auch in den Nachlass. Das Erbrecht sichert dem überlebenden Ehegatten seinen Anteil an diesem Nachlass zu. Hinterlässt die verstorbene Person Kinder, wird der Nachlass nach Gesetz hälftig mit den Nachkommen geteilt. Mit einem Ehe- und Erbvertrag kann spezifisch auf die eigene Situation (z.B. Firmen- und Wohneigentum, Patchworkfamilie etc.) und die eigenen Wünsche eingegangen werden.

Da ich nun bereits mehrfach vom Todesfall geschrieben habe, möchte ich mit einer erfreulichen Erkenntnis zu diesem Thema schliessen. Gemäss verschiedenen Studien leben Verheiratete im Schnitt um einige Jahre länger als Ledige. Bei den Männern fällt dieser Unterschied noch extremer aus. Über die Gründe kann man sich vermutlich streiten …

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Reto Fischer
Reto Fischer ist ausgebildeter Finanzplaner bei der BLKB und berät Kundinnen und Kunden zu den Themen Pensionierung, Vorsorge und Steuern.

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