Pensionskassenausweis – mehr als nur ein Zahlensalat

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Pensionskassenausweis erhalten und gleich ungelesen in einen Ordner verlegen? Das machen viele so. Aber: Dieses Dokument enthält mehr wichtige Informationen, als man denkt.

Er gehört zum Frühling wie Primeli und Ostern: der Pensionskassenausweis. Wer ihn richtig liest, kann einige Informationen mitnehmen, die nicht erst nach der Pensionierung relevant werden. Weil das Dokument aber für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht ganz einfach zu verstehen ist, gibt es hier die wichtigsten Hinweise:

  • Nicht jede Pensionskasse verwendet die gleichen Begriffe: So entspricht zum Beispiel der «massgebende Jahreslohn» dem «gemeldeten Jahreslohn» sowie auch dem «Bruttojahreslohn» oder dem «Basissalär».
  • Die wichtigsten Informationen sollten jedes Jahr kurz überprüft werden: Sind zum Beispiel die Personaldaten und persönlichen Informationen nach wie vor korrekt? Entspricht der Bruttojahreslohn auf dem Pensionskassenausweis auch wirklich dem vertraglich festgelegten Bruttolohn?
  • Für junge PK-Versicherte sind vor allem die Risikoleistungen relevant. Diese zeigen, welche Leistungen in welcher Form bei einer Invalidität oder im Todesfall für die Hinterbliebenen ausbezahlt werden.
  • Wichtig ist, unter welchen Bedingungen Leistungen fällig werden: Diese Informationen sind im zugehörigen Pensionskassenreglement ersichtlich. Speziell für Versicherte, die in Patchwork-Familien oder Konkubinaten leben, sind die Bedingungen für die Risikoleistungen nicht ganz einfach herauszulesen. Im Zweifelsfall hilft ein Anruf bei der Pensionskasse oder bei den Vorsorge-Experten Ihres Vertrauens.

Pensionierung frühzeitig planen

Mit 50 Jahren werden Sie zwar noch eine ganze Weile arbeiten. Dennoch sollten Sie sich frühzeitig mit Ihren Altersleistungen und Ihren persönlichen Zielen auseinandersetzen. Vielen Versicherten fallen die «prognostizierten Altersleistungen» auf und man fragt sich, reichen diese später mal aus, um den gewohnten Lebensstandard weiterzuführen. Oder, ob man das ganze Kapital anstelle der Rente einmalig beziehen kann. Zuerst sollten Sie sich aber fragen, ob diese Leistungen überhaupt erreichbar sind, denn es handelt sich lediglich um eine Prognose. Unter Umständen werden in der Prognose auch zu hohe Zinsannahmen getroffen.Optimierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Pensionskasseneinkäufe sollten Sie ebenfalls rechtzeitig prüfen. Früher lautete die Faustregel, dass die Renten aus der AHV und der Pensionskasse zusammen 80 Prozent des letzten Lohnes betragen werden. In der heutigen Zeit kann man sich darauf leider nicht mehr verlassen.

Wir empfehlen Ihnen deshalb, schon heute nachzuschauen, wie hoch Ihr Vorsorgevermögen und daraus Ihre lebenslange Altersrente bei einer ordentlichen Pensionierung ausfallen werden. Bedenken Sie dabei, dass sich die Verzinsung und der Umwandlungssatz bis zum Zeitpunkt Ihrer Pensionierung womöglich noch verändern werden. Daher finden Sie oft in der Beilage des Pensionskassenausweises ein Informationsschreiben der Pensionskasse. Dieses sollten Sie unbedingt auch beachten.

Finanzielle Folgen einer vorzeitigen Pensionierung abwägen

Die meisten Pensionskassen weisen auf dem Ausweis auch die Leistungen bei einer vorzeitigen Pensionierung aus. Für jedes Jahr, das Sie früher in Pension gehen, reduziert sich grob geschätzt die Pensionskassenrente um 7 bis 10 Prozent – dies aufgrund der fehlenden Sparjahre und des tieferen Umwandlungssatzes, den die Pensionskasse anwendet. Es ist wichtig zu beachten, dass dies nur ein Aspekt der vorzeitigen Pensionierung ist. Wer sich frühzeitig pensionieren lässt, muss übrigens bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenalters AHV-Beträge bezahlen, die AHV-Rente selbst wird in der Regel erst ab der ordentlichen Pensionierung ausbezahlt.

Mit Einkaufsmöglichkeiten Steuern sparen

Meistens finden Sie auf dem Pensionskassenausweis auch Informationen über Ihre Einkaufsmöglichkeiten. Diese ergeben sich zum Beispiel bei einem Arbeitgeberwechsel, bei Lohnerhöhungen oder bei Anpassungen seitens der Pensionskasse.

Mit dem vollständigen oder teilweisen Ausschöpfen der Einkaufsmöglichkeit können Sie Ihre Altersleistungen von morgen erhöhen. Gleichzeitig können Sie heute damit Steuern sparen. In der Regel können Einkäufe nämlich vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Bei einem Einkauf von CHF 10‘000 entsteht so schnell mal ein Steuervorteil von CHF 2’000 bis CHF 3’000. Um mehrmals von Steuervorteilen profitieren zu können, sollten Sie grössere Einkaufssummen auf mehrere Jahre verteilen.

Trotz des Steuervorteils sollten Sie Einkäufe aber nicht blindlings vornehmen. Vorgängig sollten Sie prüfen, was mit den Einkaufssummen bei Todesfall vor der Pensionierung passiert oder welche Sperr- und Anmeldefristen gelten, wenn Sie bei Pensionierung einen Kapitalbezug vornehmen möchten. Weiter gilt zu beachten, dass allfällige Bezüge für Wohneigentum vor dem steuerlich begünstigten Einkauf zurückzuzahlen und allfällige Freizügigkeitskonten anzurechnen oder sogar bei der Pensionskasse vorgängig einzubringen sind. Ausserdem führt der Einkauf auch zu einer höheren Altersrente und somit zu einer Steuererhöhung nach Pensionierung. Zur nachhaltigen Steueroptimierung sollte daher der Einkaufsbetrag bei Pensionierung wieder als Kapitalleistung bezogen werden.

Fazit

Ein Pensionskassenausweis scheint zwar auf den ersten Blick kompliziert, die gewünschten Informationen zu finden, ist aber kein Ding der Unmöglichkeit. Es ist wichtig, sämtliche Fragen und Entscheidungen rund um Ihre Pensionierung gesamtheitlich, langfristig und abgestützt auf Ihre Zukunftspläne zu betrachten. Eine Beratung durch eine Fachspezialistin oder einen Fachspezialisten bewahrt vor unlieben Überraschungen und vor Fehlentscheidungen.

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Bjoern Cueni
Finanzplanungsexperte
Björn Cueni ist Finanzplanungsexperte und Referent bei den BLKB-Vorsorgeforen. Seit vielen Jahren begleitet er Kundinnen und Kunden auf dem Weg in die Pensionierung. Seine Artikel kommen aus den Bereichen Vorsorge, Pensionierung und Steuern.

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