Bitcoin – Wunderwährung oder Energiefresser?

0
21
8
Taugt die Krytpowährung wirklich als Zahlungsmittel? Und wie geeignet ist der Bitcoin als Anlage? Fabienne Hockenjos-Erni, Chief Investment Officer der BLKB, macht eine Einordnung.

Es wird bald zur Normalität, täglich von neuen Höchstständen oder den massiven Kursrückschlägen des Bitcoins zu hören. Dies nehmen wir zum Anlass die vermeintliche Wunderwährung unter die Lupe zu nehmen.

Bitcoin als Währung

Als Erstes steht die Eigenschaft der Währung im Vordergrund. Bereits in der Schule wurde uns gelehrt, dass eine Währung zwei zentrale Eigenschaften haben muss: Sie muss als Zahlungsmittel dienen und zur Wertaufbewahrung taugen.

Als Zahlungsmittel kann Bitcoin bereits verwendet werden. Sei es das Begleichen der Steuerrechnung im Kanton Zug oder nach dem Statement von Elon Musk Mitte Februar neuerdings zur Bezahlung des neuen Teslas. Breit anerkannt ist die Kryptowährung als Zahlungsmittel jedoch noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Aufnahme von Bitcoin durch den Online-Bezahldienst Paypal im Oktober 2020 ist ein klares Signal in die Richtung einer breiteren Akzeptanz. Bei einem Zahlungsmittel stehen aber nicht nur die Akzeptanz, sondern auch der einfache und effiziente Werttransfer im Fokus. Dahingehend hat Bitcoin das selbstgesetzte Ziel bisher verfehlt: Eine Bitcoin-Transaktion braucht gemäss Schätzungen 20’000mal mehr Energie als jene einer Zahlung per Kreditkarte. Zudem ist die enorme Wertschwankung in der Abwicklung des Geldübertrags nicht ohne Risiken.

Als nächste Eigenschaft einer Währung kommt die Wertaufbewahrung ins Spiel. Aufgrund der hohen Preisschwankungen weist der Bitcoin hier eine Schwäche auf. Die Wertbeständigkeit muss die Kryptowährung erst beweisen, denn die Glaubhaftigkeit, welche eine Zentralbank einer Währung verleiht, fehlt ihr. Hinzu kommt, dass die Regulierung des Bitcoins aktuell noch nicht abschliessend geklärt ist. So wurden bereits in verschiedenen Ländern Einschränkungen oder gar Verbote erlassen. In den Industrieländern schätzen wir die Wahrscheinlichkeit für ein Verbot als gering ein, trotzdem bestehen – wie bei den meisten neuen Technologien – gewisse regulatorische Risiken.

Unser Fazit zur Beurteilung von Bitcoin als Währung ist zum jetzigen Zeitpunkt: «ungeeignet». Etabliert sich die Kryptowährung, kann diese Analyse jedoch in einigen Jahren anders ausfallen.

Bitcoin als Anlage

Für Investoren sieht die Situation anders aus: Die wenigsten Anleger investieren in Bitcoin aufgrund des Attributs «Währung», sondern verstehen Bitcoin als Wertanlage respektive als Spekulationsinstrument. Hier gilt es zu beachten, dass das Risikoprofil des Anlegers zentral dafür ist, ob Bitcoins als Anlageinstrument geeignet sind. Die hohe Volatilität der Kursentwicklung bedarf einer hohen Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit. Bitcoin ist ein hochvolatiles Spekulationsobjekt mit entsprechenden Chancen und Risiken. Es sollte zudem jedem Investor bewusst sein, dass die Aussage «Bitcoin ist das neue Gold», da es eine endliche Menge gibt, nicht mit dem Kursverhalten oder dem Sicherheitsgedanken des Altbewährten gelb funkelnden, seit Jahrtausenden anerkannten Zahlungsmittels vergleichbar ist. Gemein haben die beiden, dass sie keinerlei fixierte oder variable Zahlungsströme wie Zinsen oder Dividenden abwerfen; die potenzielle Rendite stützt sich also rein auf den erwarteten Kurszuwachs.

Nachhaltigkeitsbeurteilung

Als nachhaltiger Investor interessiert uns natürlich auch die Beurteilung des Energieverbrauchs und der sozialen Risiken. Diese Analyse vermag manch einen ins Staunen zu versetzen, denn die Kryptowährung braucht mehr Energie als ganze Staaten. Mit einem geschätzten Stromverbrauch von 119 Terawattstunden überholt der Energiebedarf jenen der Schweiz oder der Niederlande (siehe Grafik). Zudem werden Kryptowährungen immer wieder mit Korruption, Schwarzgeld oder Geldwäscherei in Verbindung gebracht.

Quelle: Statista

Quelle: Statista

Spekulationsinstrument ohne nachhaltigen Glanz

Wird nun bei der Betrachtung des Bitcoins auch noch eine ESG-Analyse hinzugezogen, so fällt das Chancen-Risikoprofil deutlich ins Negative. Als nachhaltiger Investor erachten wir die risikoadjustiere Renditeaussicht der Kryptowährung als nicht interessant. Bitcoin ist aus heutiger Sicht weder das neue Gold noch ein veritabler Ersatz für etablierte Währungen. Das soll nicht heissen, dass der Höhenflug des Bitcoin-Kurses nicht anhalten kann – aber die Rückschlagsrisiken sind immens. Welche Ausmasse diese Risiken annehmen können, zeigte sich in den wenigen Wochen zwischen Dezember 2017 bis Februar 2018, in denen der Bitcoin über 50% an Wert verlor oder in den letzten Handelstagen im Februar 2021, als der Wertverlust innert Kürze 20% betrug. Die inhärenten Risiken – auch auf regulatorischer Seite – dürften das Anlageinstrument noch lange begleiten und Anleger müssen darauf gefasst sein, dass auch die Zentralbanken dem Geschehen nicht unbeschränkt zusehen.

Damit ziehen wir den Schluss, dass Bitcoin als Währung noch viele Hürden zu überwinden hat und seine Energiebilanz die Zukunftsfähigkeit in Frage stellt. Es bleibt die Möglichkeit von spekulativen Gewinnen. Eine Prognose auf die hochvolatilen Kursbewegungen bleibt jedoch der Kristallkugel überlassen.

21
8
Teilen.
Fabienne Hockenjos-Erni, CIO
CIO bei BLKB
Fabienne Hockenjos-Erni verantwortet als Chief Investment Officer die nachhaltige Vermögensverwaltung. Sie spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG und treibt die Integration von ESG-Kriterien im Anlageprozess voran.

Eine Antwort geben