Wasserstoff – wieder nur heisse Luft?

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Als Ü-Fünfziger kann ich mich an einen Artikel im deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» Ende der achtziger Jahre erinnern, der mich damals fasziniert hat. Ein schwedischer Ingenieur hat in seiner Garage ein Elektrolysegerät eingebaut und mit dem produzierten Wasserstoff seinen umgebauten Saab betrieben. Aus dem Auspuff kam nur Wasser – die Zukunft!

Don’t believe the hype

Das Thema Wasserstoff als Energieträger blieb noch einige Jahre in der Versenkung verschwunden bis die kanadische Firma Ballard Power Systems ins Visier der Börse kam. Ballard begann 1997 eine enge Zusammenarbeit mit Daimler, um Brennstoffzellen für Autos herzustellen. Brennstoffzellen ermöglichen die umgekehrte Reaktion der Elektrolyse, das heisst, dass Wasserstoff mit Sauerstoff zusammengeführt wird und dabei Energie in Form von Strom sowie Wasser freigesetzt wird. Von Autos mit Batterien war noch kaum die Rede. Nach einem starken und schnellen Kursanstieg von Wasserstoffaktien im Jahr 2000 folgte fast genauso schnell der Rückgang und eine darauffolgende lange Stagnation. Obwohl die Technologie sinnvoll war, bremsten die zu hohen Kosten und das technische Umfeld: Wie und wo sollte der Wasserstoff produziert und gespeichert werden? Und last but not least fehlte für Autos eine Tankinfrastruktur.

Wasserstoff 2.0

Nun ist Wasserstoff wieder ein grosses Thema. Was ist diesmal anders? Für die klimaneutrale Wasserstoffproduktion gibt es realistischere Pläne. So wollen zum Beispiel Deutschland, Norwegen und China Grossanlagen bauen, die mit Strom aus erneuerbaren Quellen arbeiten. Auch die Sinnhaftigkeit und Breite der Anwendungen hat sich verbessert. Heute liegt der Fokus bei Lastkraftwagen, Bussen, Zügen und Schiffen, wo das hohe Gewicht von Batterien und deren lange Ladedauer Brennstoffzellen vergleichsweise attraktiv machen. Daneben spielt heute auch die industrielle Anwendung eine grosse Rolle. So plant zum Beispiel die Stahlindustrie, Wasserstoff für den Betrieb von Hochöfen zu nutzen. An der Börse gibt es global einige kleine und mittelgrosse Unternehmen, die auf Wasserstofftechnologie fokussiert sind, wie das norwegische Unternehmen NEL und PowerCell aus Schweden. Die meisten davon sind noch nicht in der Gewinnzone. Gleichzeitig gibt es Grossunternehmen, die auch in diesem Bereich tätig sind, aber noch kleine Umsatzanteile mit Bezug zu Wasserstoff vorweisen können. Dazu gehören Schwergewichte wie ABB, Siemens oder Continental. Viel Know-how im Umgang mit Wasserstoff haben Industriegasunternehmen wie die französische Air Liquide oder Linde.

Klimaschutz braucht viele Technologien

Treibhausgasemissionen können technisch auf verschiedene Weise reduziert werden; vier Bereiche sind von besonderem Interesse: Der kosteneffizienteste Weg im Klimaschutz ist die Verbesserung der Energieeffizienz. Hier gibt es innovative Lösungen in den Bereichen Strommanagement, Gebäudeisolation und Beleuchtung. Grosses Potenzial steckt auch in der Informationstechnologie. Sogenannte «Green IT» kann den steigenden und teuren Strombedarf eindämmen. Cloudlösungen, intelligente Speichersysteme und Server-Virtualisierung senken diesen deutlich. Natürlich profitieren auch erneuerbare Energien von den veränderten Rahmenbedingungen im Klimaschutz. Die Abhängigkeit von Subventionen hat sich verringert und die Wachstumsraten sind weiter hoch. Zu guter Letzt gibt es im Bereich Mobilität wie beschrieben dramatische Veränderungen bei den Antriebstechnologien.

Fazit

Das Thema Wasserstoff basiert heute auf einem stabileren Fundament, aber Anleger sollten berücksichtigen, dass noch vieles in der Entwicklungsphase ist. Umso wichtiger ist die Diversifikation. Klimaschutz wird durch verschiedene Technologiebereiche vorangetrieben. Interessierte Anleger können zum Beispiel mit dem «BLKB Klima Basket» in ein entsprechendes international diversifiziertes Aktienportfolio innovativer Unternehmen investieren. Eines davon ist übrigens Ballard Power, das im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve gekriegt hat und sich nun erfolgreich auf Antriebe für Busse und Lastwagen fokussiert.

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Andreas Holzer on Linkedin
Andreas Holzer
Investment Specialist bei BLKB
Andreas Holzer ist Investment Specialist bei der BLKB. Er setzt sich vertieft mit Anlagethemen und den Anlageprodukten der BLKB auseinander. Dabei wirkt er unterstützend bei der Kundenbetreuung, der Entwicklung von Produkten und erarbeitet Inhalte für Marketingaktivitäten.

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