Die Dividende – ein weiteres Opfer der Pandemie

2
7
3

Ausschüttungen an die Aktionäre unter Druck

Wie viele Aktionäre in den letzten Wochen häufig feststellen mussten, liegt die Ausschüttung einer Dividende im Ermessen des Verwaltungsrats und kann nicht mit Sicherheit erwartet werden. Immer mehr Unternehmen verzichten momentan vor dem Hintergrund der starken Verschlechterung des Wirtschaftsumfeldes auf Dividendenauszahlungen, kürzen oder verschieben diese. In der Schweiz betrifft dies im laufenden Jahr die SMI-Unternehmen Swatch, Alcon, UBS und Credit Suisse sowie mehrere mittlere und kleinere Unternehmen. Zudem haben viele kotierte Unternehmen ihre Aktienrückkaufprogramme ausgesetzt – vor allem in den USA eine beliebte Form, überschüssige Mittel ohne negative Steuerfolgen für die Empfänger an die Aktionäre zurückzugeben. Analysten rechnen mit einem Rückgang der Aktienrückkäufe in den USA im Vergleich zu 2019 um 50-70% oder um 200-350 Mrd. USD.

Besonders betroffene Branchen

Unter den am meisten betroffenen Branchen findet sich der Finanzsektor. Hier haben die Aufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern den Banken und Versicherungen nahegelegt, auf die Ausschüttungen und Aktienrückkäufe zu verzichten. Auch ein grosser Teil der Unternehmen aus der Reise- und Medienbranche und aus der Erdölindustrie sowie Fluggesellschaften gehören dazu. Shell zum Beispiel hat zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg die Dividende gesenkt. In Europa betreffen die Kürzungen bis Ende April rund ein Drittel der kotierten Unternehmen und Dividenden in der Höhe von USD 60 Mrd.

Dividendenkürzungen – sinnvoll oder schädlich?

Durch die Kürzung oder Streichung der Ausschüttung entgeht dem Aktionär Einkommen. Es handelt sich jedoch um keine eigentliche Wertminderung der Investition, weil die Mittel im Unternehmen verbleiben. Da aber viele Investoren das Dividendeneinkommen fest in ihre Anlagestrategien integriert haben, fehlen plötzlich eingeplante Barmittelströme. Dies ist zum Beispiel für das Cash-Management der Pensionskassen problematisch. In der Theorie kann der Aktionär nun Titel verkaufen, um an die Barmittel zu kommen. Das ist in der Realität mit Aufwand und Kosten verbunden und nicht wertneutral umsetzbar. Daher sind Dividendenkürzungen von Aktionärsseite her sehr unbeliebt und die Unternehmen greifen nur ungern darauf zurück. Eine Dividendenkürzung wird deshalb von den Marktteilnehmern häufig als klares Signal dafür verstanden, dass das Unternehmen Liquiditätsschwierigkeiten voraussieht oder bereits hat. Sind die Dividendenkürzungen daher ein Fehler?

Handlungsspielraum erhalten

Im Gegenteil – mit der zu erwartenden Rezession und der damit einhergehenden sinkenden Nachfrage ist der Schutz der Bilanz und der Barreserven für viele Unternehmen ein verantwortungsvoller Schritt. Durch den grösseren Bestand an Barmitteln erhöht sich der Handlungsspielraum. Kreditlinien müssen nicht in Anspruch genommen werden und schnelle Reaktionen auf neue Entwicklungen sind eher möglich. Richtig eingesetzt, können die verfügbaren Mittel so der Risikominderung und der Wertsteigerung und damit der Zukunftsfähigkeit dienen. Sollte sich zudem die Rezession milder als erwartet entwickeln und die Pandemie schneller als erwartet kontrolliert werden, so können die Unternehmen überschüssige Mittel immer noch als Sonderdividende auszahlen. Mit der Wiederaufnahme von Aktienrückkäufen kann die Rückführung von Mitteln an die Aktionäre sogar noch einfacher umgesetzt werden.

Wer schüttet weiter aus?

Die Pharmaindustrie ist vom Nachfragerückgang, bedingt durch den Pandemie-Lockdown, noch wenig betroffen. Hier sind Kürzungen der Dividenden oder der Aktienrückkäufe aktuell sehr selten. In der Schweiz zahlen in diesem Frühling sowohl Roche als auch Novartis eine im Vergleich zum Vorjahr höhere Dividende aus. Europäische Pharmaunternehmen wie AstraZeneca und Sanofi behalten die Dividendenausschüttung ebenfalls bei. Unternehmen aus der Basiskonsumgüterbranche leiden in Rezessionen deutlich weniger. Nestlé und auch die französische Danone haben die Ausschüttungen bestätigt. Auch Unternehmen, welche die Dividendenzahlungen bereits vor der globalen Ausbreitung des Coronavirus beschlossen und teilweise auch davor schon ausbezahlt haben, wie unter anderen auch die BLKB, sind nicht betroffen. Unternehmen mit hochliquiden Bilanzen sehen sich zudem ebenfalls nicht zu Kürzungen veranlasst. Aktienrückkäufe können hier bei Rückgängen der Kurse sogar von Vorteil sein, sodass Unternehmen ihre Aktien zu tieferen Preisen zurückkaufen können. Apple zum Beispiel, dessen Geschäft von der COVID-19-Krise stark negativ tangiert wird, hat das Aktienrückkaufprogramm um 50 Mrd. USD. wie auch die Quartalsdividende Anfang Mai aufgestockt. Das Unternehmen verfügte per Ende März über rund 200 Mrd. USD. liquide Mittel.

Die Dividende ist nur ein Kaufargument unter vielen

Grundsätzlich ist es wichtig, Aktien nicht nur in Erwartung der Ausschüttung einer Dividende zu halten. Aufgrund des freiwilligen Charakters können sie in unruhigen Zeiten gestrichen werden. Für die Beurteilung einer Investition ist das Potential des Unternehmens auf eine langfristige Wertsteigerung zentral. Und gerade dazu kann die Aussetzung der Dividende oder des Aktienrückkaufprogramms in Krisenzeiten beitragen.

Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

7
3
Teilen.
Regula Simsa
Finanzanalystin bei BLKB
Regula Simsa ist Analystin im Investment Center der BLKB. Sie ist zuständig für die Finanzanalyse unter Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

2 Kommentare

  1. Avatar

    Die im 2020 ausbezahlte Dividende ist ja für das Geschäftsjahr 2019, was bei vielen ein sehr gutes war. Spannend wird somit die Dividendensaison 2021, das dürfte bei vielen nicht mehr wie 2020 ausfallen.

    3

    0
    • Avatar
      Hermann Ruppen, Laufen am

      Wenn keine Dividenden ausgeschüttet werden entgehen nicht nur den Aktionären die Barmittel, sondern auch dem STATT, den es fehlen im die Einnahmen der Verrechnungssteuer. Auf diese Einnahmen aber währe der STATT jetzt dringend angewiesen, nicht erst im nächsten oder übernächsten Jahr.
      Auch dem einzelnen Aktionär fehlen die Mittel jetzt. Vor allem aber den PENSIONSKASSEN, die dadurch in die Unterdeckung geraten. Bei den Geschäftsliegenschaften werden die PENSIONSKASSEN erneut auf einen Teil Ihrer Mieteinnahmen verzichten müssen, wenn die 1/3 Liegenschaftsbesitzer 1/3 der Kanton und 1/3 der Mieter zu begleichen haben.
      Mit freundlichen Grüssen

      0

      1

Eine Antwort geben