Berufliche Vorsorge in der Corona-Krise

0
16
1

Seitdem der Bundesrat am 16. März 2020 den Notstand ausgerufen hat, ist in der Schweiz nichts mehr wie vorher. Die angeordneten Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung haben unser Leben drastisch verändert. Auch für die Unternehmen sind die Auswirkungen zum Teil ausserordentlich. So sehen sie sich bei ihrer beruflichen Vorsorgelösung zurzeit mit ganz neuen Fragestellungen konfrontiert. Dazu hier einige Antworten.

Was ist, wenn ich an COVID-19 erkranke?

In der beruflichen Vorsorge gibt es keine Unterscheidung zwischen einer “normalen” Erkrankung und einer Erkrankung aufgrund von Epidemien oder Pandemien. Im Fall einer Infektion mit dem Coronavirus gelten also die gleichen Bedingungen wie für andere Erkrankungen. Massgebend für die Leistungen bei Invalidität und Tod ist dabei immer das jeweilige Personalvorsorge-Reglement des Unternehmens.

Und wenn ich in Quarantäne muss?

Eine Quarantäne wird nur dann als Arbeitsunfähigkeit akzeptiert, wenn ein entsprechendes ärztliches Krankheitszeugnis vorgewiesen werden kann (gleiche Regelung wie bei Krankentaggeldversicherungen). Eine einseitig verordnete Quarantäne durch den Arbeitgeber gilt nicht als Arbeitsunfähigkeit.

Was geschieht, wenn ich die Pensionskassenprämie nicht bezahlen kann?

Der Bundesrat hat besondere Regelungen festgelegt, um auf die Corona-Krise zu reagieren und bereits einen vorübergehenden Rechtsstillstand verordnet – bis zum 4. April 2020 durften keine Betreibungen eingeleitet werden. Die Pensionskassen haben ebenfalls reagiert und zum Teil grosszügig ihre Zahlungskonditionen angepasst. Mit Zahlungsfristverlängerungen, grosszügigen Abzahlungsvereinbarungen oder Mahnsperren kommen die Vorsorgeeinrichtungen den Arbeitgebern entgegen, um die Situation zu entspannen. Wichtig ist dabei immer, frühzeitig mit der Versicherung Kontakt aufzunehmen, sei es direkt oder über den Broker des Vertrauens.

Welche Auswirkungen hat die Kurzarbeit auf meinen Vorsorgevertrag?

Viele Betriebe müssen im Zuge der Corona-Krise ihren Betrieb vorübergehend reduziert weiterführen oder sogar ganz einstellen. Dafür können sie Kurzarbeit anmelden. Arbeitgeber, welche Kurzarbeitsentschädigung beantragen und erhalten, sind verpflichtet, während der Dauer der Kurzarbeit die vollen gesetzlichen und vertraglich vereinbarten Sozialversicherungsbeiträge entsprechend der normalen Arbeitszeit zu bezahlen. Sie sind auch berechtigt, die vollen Beiträge der Arbeitnehmer vom Lohn abzuziehen. Diese Regelung gilt auch für die Beitragseinzahlungen an die Pensionskasse. Dies ergibt sich aus dem Arbeitslosenversicherungsgesetz, welches die Voraussetzungen und die Abwicklung der Kurzarbeitsentschädigung regelt (Art. 37 lit. c AVIG).

Bestehen Sonderregelungen bei meiner Arbeitgeberbeitragsreserve?

Grundsätzlich kann die Arbeitgeberbeitragsreserve nur für die Bezahlung der Arbeitgeberbeiträge verwendet werden. Als Ausnahmeregelung hat der Bundesrat per 26. März 2020 beschlossen, dass die gesamten Beiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) für sechs Monate vollumfänglich mit den vorhandenen Arbeitgeberbeitragsreserven verrechnet werden dürfen. Diese Massnahme soll den Arbeitgebern helfen, Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Für die Arbeitnehmer hat die Massnahme keine Auswirkungen. Der Arbeitgeber zieht ihnen wie gewohnt ihren Beitragsteil vom Lohn ab, und die gesamten Beiträge werden der Vorsorgeeinrichtung gutgeschrieben. Weitere Informationen:

Die Corona-Krise bringt viele Fragen rund um die Vorsorge. Wir empfehlen, mit der eigenen Pensionskasse früh Kontakt aufzunehmen. Auch das Team der BLKB Unternehmensvorsorge verfügt über breite Erfahrung und kann Ihnen bei der Lösung Ihrer Probleme zur Seite stehen.

16
1
Teilen.
Remo Ponti on Linkedin
Remo Ponti
Unternehmensvorsorgeberater bei BLKB
Remo Ponti ist Sozialversicherungsfachmann und Kundenberater für berufliche Vorsorge. Im Team der BLKB-Unternehmensvorsorge betreut er Unternehmen in allen Fragen rund um die Pensionskasse. Seine Beiträge auf BLKBlive befassen sich mit den Themen Berufliche Vorsorge und Soziale Sicherheit.

Eine Antwort geben