Alle Jahre wieder – die Dividendenjagd ist eröffnet

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Es ist wieder so weit: nein, nicht Weihnachten steht vor der Tür, aber es fühlt sich in diesem Jahr dennoch an wie die Zeit der Geschenke. Nach den starken Kursrücksetzern an den globalen Aktienmärkten, erwärmt dieses Jahr die Dividendensaison umso mehr die Gemütslage der Anleger.

Zentralbanken befeuern Dividendenjagd

Mit dem überraschenden Zinsschritt der US-Notenbank am vermeintlichen Fasnachts-Dienstag wurde die Jagd nach attraktiven Dividendenzahlern neu befeuert. Die Federal Reserve Bank (Fed) hatte an einer ausserordentlichen Sitzung beschlossen, den US-Leitzins um 50 Basispunkte zu senken, um dem negativen Effekt der Coronavirus-Folgen auf die Wirtschaftsentwicklung entgegenzuwirken. Zuletzt hatte die Fed als Reaktion auf den Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 derart beherzt interveniert. Weitere Notenbanken rund um den Globus sind dem Beispiel bereits gefolgt oder bereiten ähnliche Schritte vor. Damit wird das Tiefzinsumfeld weltweit zementiert und die Attraktivität von Aktien erhöht. Der Schweizer Aktienmarkt lockt derzeit mit einer Dividendenrendite von rund 3%; ein Leckerbissen im Vergleich zu den negativen Renditen bei Obligationen oder den drohenden Strafzinsen von 0.75%, welche von der Schweizer Notenbank als Zielgrösse für den Leitzins festgelegt wurden und von den Banken vermehrt auf Bargeldbestände verrechnet werden.

Dividendenperlen gesucht

Da macht sich der gewiefte Anleger also auf die Suche nach Dividendenperlen. In der Schweiz lockt der Finanzsektor mit über 5% mit den höchsten Renditen. Dabei überrascht es nicht, dass Versicherungen mit attraktiven Ausschüttungen aufwarten. Die Aktien von Swiss Re, Zurich, Helvetia oder Baloise gehören schon lange zu den besten und zuverlässigsten Dividendenzahlern in der Schweizer Börsenlandschaft. Neu will sich Swiss Life in diese Erfolgsgeschichte einreihen und trumpft mit einer Dividendenerhöhung von über 20% und weiterem Steigerungspotenzial für die kommenden Jahre auf. Auch die Präsenz von Finanzinstituten wie Cembra, in der Reihe von Titeln mit einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite, überrascht nicht. Neu ist dagegen das Auftauchen einer Grossbank an der Spitze, denn mit rund 8% rentiert die UBS in diesem Jahr mehr als der ganze Rest des Marktes und führt die Liste der Dividendenperlen an. Direkt hinter dem Finanzsektor folgen die Telekomunternehmen Sunrise mit über 5% und Swisscom mit über 4% Dividendenrendite. Das Schlusslicht bildet der IT-Sektor, wo im Schnitt Renditen von rund 1% resultieren.

Schweizer Klassiker

Auf der Suche nach zuverlässigen Dividendenzahlern führt in der Schweiz weiterhin nichts an den drei Börsenschwergewichten Novartis, Nestlé und Roche vorbei. Die drei Grundbestandteile in einem Portfolio eines jeden Schweizer Investors, locken mit konstant hohen Dividendenrenditen und dürften auch in Zukunft zu den berechenbarsten Dividendenzahlern des Schweizer Marktes gehören. In diesem Jahr hebt sich Novartis mit einer Dividendenrendite von über 3.5% von den anderen beiden ab und übertrifft somit die Rendite des Marktes. Nestlé und Roche erreichen die 3%-Schwelle in diesem Jahr nicht gänzlich, bleiben jedoch mit ihrem äusserst soliden Leistungsausweis in der Liste der attraktivsten Dividendentitel mit dabei.

Wenn der Schein trügt

Geht man die Auflistung von Aktien mit hohen Ausschüttungen durch, stösst man auf den einen oder anderen Kandidaten, welcher zur Vorsicht Anlass gibt und es zwingend ist, die Packungsbeilage zu lesen. Die Zuverlässigkeit der Dividende ist für den Kaufentscheid ein zentrales Argument. Dividendenkürzungen oder Aussetzungen sind in einem anspruchsvollen Umfeld nicht auszuschliessen. So locken beispielsweise Swatch-Aktien derzeit mit einer überdurchschnittlichen Rendite. Aufgrund der zu erwartenden Beeinträchtigung der globalen Konjunkturentwicklung durch das Coronavirus und dem damit einhergehenden Konsumverzicht gerade bei Luxusgütern – sei es als Folge von eingeschränkter Reisetätigkeit oder als Reaktion auf die anhaltende Unsicherheit über die weitere Ausbreitung – könnte die Geschäftsentwicklung stark beeinträchtigt werden. Swatch hat auch schon in der Vergangenheit ihre Dividende als Folge von schwachen Absatzzahlen gekürzt. Die Dividende ganz ausgesetzt für das vergangene Jahr, haben Unternehmen wie Autoneum oder GAM, welche mit hausgemachten Problemen zu kämpfen haben.

Zinsumfeld verleitet zu mehr Risiko

Trotz der grundsätzlich verlockenden Renditen darf nicht vergessen werden, dass Aktien Risikoanlagen sind, die starken Schwankungen unterliegen. Dies hat uns die jüngste Kurskorrektur an den globalen Aktienmärkten einmal mehr schmerzlich vor Augen geführt. Die Jagd nach Rendite darf nicht dazu verleiten, mehr Risiko in das eigene Portfolio zu nehmen, als man verkraften kann und auch willens ist zu tragen. Eine hohe Dividendenrendite kann Kursschwankungen wie jene im Februar nicht kompensieren. Dies sollte bei der Jagd auf vermeintlich hohe Renditen unbedingt berücksichtigt werden. So kann man auch in Zeiten von hoher Unsicherheit, wie wir es in den nächsten Wochen erfahren dürften, ruhig schlafen.

Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

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Fabienne Erni, CIO
Fabienne Erni verantwortet als Chief Investment Officer die nachhaltige Vermögensverwaltung. Sie spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG und treibt die Integration von ESG-Kriterien im Anlageprozess voran.

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