Schöner als Ferien: Die Tafelrunden auf Schweizer Bauernhöfen

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Von unseren südlichen Nachbarländern können wir uns so manches abschauen. Zum Beispiel den grossen Stellenwert, den die Geselligkeit dort geniesst. Und wie könnte man diese besser zelebrieren als an einem Tisch mit allerlei Köstlichkeiten? Das dachten sich auch ein paar engagierte Bäuerinnen, Winzerinnen und Bio-Produzentinnen, die sich gemeinsam zum Verein Swiss Tavolata zusammengeschlossen haben. Ich habe mich mit dessen Geschäftsführerin Renate Wolf getroffen und dabei in Erfahrung gebracht, weshalb es eine Crowdfunding-Aktion brauchte, um dieses einzigartige Projekt am Leben zu erhalten.

Zu Besuch bei Freunden

Gegründet im Jahr 2014 vom Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband, stellte Swiss Tavolata von Anfang an die Gastfreundschaft ins Zentrum. Wenn man sich in einem der angeschlossenen Betriebe an einen Tisch setzte, sollte man sich fühlen, als wäre man bei Bekannten eingeladen. So musste man nach dem Essen auch nicht das Portemonnaie zücken, denn für die Rechnungsstellung war die Geschäftsstelle besorgt. Doch obwohl die positiven Rückmeldungen darauf schliessen liessen, dass die fröhlichen Tafelrunden einem Bedürfnis entsprechen, erwies sich deren Administration als zu kostenintensiv. Deshalb sollte das Projekt Ende 2018 eingestellt werden. Das wollten die umtriebigen Gastgeberinnen aber nicht auf sich sitzen lassen: Fünf von ihnen fassten sich ein Herz und entschieden sich, das Ganze weiterzuführen.

Verändertes Konzept, gleichbleibendes Engagement

Bei allem Elan erkannte der frischgebackene Vorstand rasch, dass er zwar viel vom Kochen und Bewirten versteht, aber nur wenig von Werbung. Dafür holten die Frauen Renate mit an Bord. Die erfahrene Kommunikationsfachfrau war sofort Feuer und Flamme für die Idee und erklärte sich dazu bereit, sie mit einem Teilzeitpensum zu unterstützen. Für den Verein ein Glücksfall: Als Selbstständigerwerbende hat sie ein eigenes Büro. So entfallen die Kosten für Büromiete und Sozialversicherungen. Um die Geschäftsstelle zu entlasten, wurde zudem beschlossen, künftig nicht mehr alles zentral zu regeln. «Nun übernehmen die Gastgeberinnen das Reservationsmanagement und das Einkassieren», erzählt Renate. «Dadurch kann ich mich auf das Marketing, die Medienarbeit und die Kooperationen mit Partnerorganisationen» konzentrieren».

Zu 100% in der Hand der Landfrauen

Doch wie kam es, dass die Frauen für diese Neuausrichtung auf finanzielle Mittel angewiesen waren? Renate klärt mich auf, dass sie die Rechte an der Marke und der dazugehörigen Internetplattform erwerben mussten, bevor sie weitermachen konnten. Die erfolgreich abgeschlossene Crowdfunding-Aktion hat nicht nur das ermöglicht, sondern auch gezeigt, was für eine riesige Solidarität unter den Gastgeberinnen herrscht. Auf Social Media und im Bekanntenkreis wurde rege für die Sammlung geworben und die Gegenleistungen für die Spender waren rasch organisiert. Kein Wunder, dass Renate plant, die Beteiligten in Zukunft noch mehr in ihre Marketingaktivitäten einzubinden. «Ein solches Projekt steht und fällt mit den Menschen dahinter», sagt sie. «Deshalb ist es schön zu sehen, mit wie viel Herzblut sich alle einbringen – das will ich auch nach aussen sichtbar machen».

33 Gastgeberinnen – 33 individuelle Erlebnisse

Das Spannende an Swiss Tavolata sind die Unterschiede, die es in den jeweiligen Betrieben zu entdecken gibt. Neben den klassischen Tavolata-Menüs bietet eine Gastgeberin Grillabende im Garten an, bei einer anderen kann man die hauseigene Schnapsbrennerei besichtigen. Bei einer Baselbieter Bäuerin können die Gäste beim Dinkelmahlen helfen und im Anschluss ein auf der Basis dieses Getreides kreiertes Mahl geniessen. Es gibt auch die Möglichkeit, den Gaumenschmaus mit einer schönen Wanderung zu verbinden, von einigen der Gastgeberinnen erhält man nämlich Picknick-Rucksäcke für unterwegs. So oder so, gibt es neben den feinen, saisonalen Speisen, gekocht mit eigenen und regionalen Produkten, auf Wunsch immer auch eine Besichtigung vom Hof. 

Ich für meinen Teil muss zugeben, dass mir bereits während meinem Gespräch mit Renate das Wasser im Munde zusammenlief. Optimale Voraussetzungen also, um den einen oder andern Hof zu besuchen – und dabei erst noch die hiesigen Bäuerinnen zu unterstützen. E Guete! Weitere Informationen auf www.swisstavolata.ch

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Karin Bjöörn
Marktetingspezialistin bei BLKB
Karin Bjöörn war Marktetingspezialistin bei der BLKB.

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